Die Inneren Gewässer heilen

Die inneren Gewässer heilen

In Brasilien, wo ich lange gelebt habe, nennt man emotionale Verletzungen “mágoas”. Das Wort kann man in einer Spielerei auseinander nehmen und es wird zu “más águas”, was bedeutet: “schlechte Gewässer”.

Ich finde das eine sehr passende Beschreibung für das, was in uns passiert, wenn von außen etwas kommt, das wir als eine Verletzung wahr-nehmen.

Der nicht aufgefangene “Susto” (Schreck), wie Trauma in andinen Kulturen genannt wird, unterbricht den Fluss in uns. Unser Nervensystem reagiert mit Starre, Einfrieren, Stagnation.

Wir verlieren das Vertrauen in das Wohlwollen des Lebens, in die göttliche Liebe die uns hervorgebracht hat. Also verschließen wir uns, schneiden unseren inneren Kreislauf von dem großen Fluss um uns ab und beginnen uns in und um uns selbst zu drehen. Im Grunde machen wir das, indem wir beschließen, dass in Herz und Körper präsent zu sein viel zu schmerzhaft ist, und von nun aus in und durch unseren Kopf zu Leben. Wir beginnen, zu “kontrollieren”.

So wird das Leben anstrengend und eng. Es geht viel um Kampf und Verteidigung, es scheint auf allen Ebenen zu wenig da zu sein, es herrscht Mangel. Beziehungen sind bedrohlich, wir bleiben an der Oberfläche und halten uns bedeckt – nur nicht zu viel Nähe. In unserer Unbewusstheit schieben wir die Verantwortung auf die anderen, auf die “Welt”, erkennen nicht, dass wir um uns die Realität sehen, die wir in uns vibrieren.

Die Gewässer in uns stagnieren, werden zu “más águas”. Manchmal weist uns ein unangenehmer Geschmack im Mund und ein fauliger Geruch in der Nase darauf hin, dass etwas in uns dringend lebendige Erneuerung braucht. Oft zeigen Körper und Gedanken verschiedene Symptome, die in unserer Welt als “normal” gelten – wir wissen gar nicht, was wahre Gesundheit ist. Das englische Wort für Krankheit disease ist dis-ease – fehlende Leichtigkeit.

Und wie sehnen wir uns nach dieser Leichtigkeit! Und dieses Sehnen ist heilig! Es zeigt uns, dass irgendetwas in uns weiß, dass etwas anderes möglich ist. Auch deshalb liebe ich so sehr die Zeit, in der wir gerade leben. Zeit des Aufbruchs, im wahrsten Sinne des Wortes. Die geerbten Gewässer in uns, die wohl über Jahrhunderte stagnierten, werden von einer neuen Vibration angestoßen. Uraltes beginnt sich zu bewegen und kommt an die Oberfläche. Wo unsere Großmütter sich noch ihrem Schicksal ergeben haben, beginnen wir zu ahnen, zu ersehnen, uns zu öffnen. Wir begeben uns auf die Suche und wir finden!

Es heißt, jetzt ist die Zeit da, wo die weibliche Kraft wieder ihren Platz in der Welt einnimmt. Indigene Großmütter mit ihrer bildhaften, beseelten Sprache sagen: die Große Mutter ruft ihre Töchter. Auf dass wir uns an sie erinnern, uns ihrer Liebe öffnen, und ihre Kraft durch uns in die Welt gebären.

Wenn ich spezifisch auf uns Frauen schaue, überkommt mich Trauer und Zuversicht gleichermaßen. Über so lange Zeit blieb und nichts anderes übrig, als unser inneres Strahlen mit grauen Tüchern zu bedecken. Der überwältigende Schmerz über die andauernde, strukturelle individuelle und kollektive Abwertung, ja, die Schändung des Heiligen Weiblichen in uns, die nach wie vor mehr oder weniger subtil weiter geht, hat uns dazu gebracht, uns von farbenfrohen, lebensbejahenden, tanzenden, sinnlichen, kraftvollen, liebenden…. Wesenheiten in dunkle, abgeschnittene Schatten von uns selbst zu verwandeln.

Alles andere hätte die Existenz von uns und von unseren Nachkommen bedroht. Doch wir sind Hüterinnen, Fortführerinnen des Lebens. So haben wir also unsere Kraft, unsere Schönheit, unsere Liebe, unser Licht versteckt. So tief und so lange, bis wir es selbst in uns nicht mehr erkennen konnten. Töchter sind “mutter-seelen-allein” aufgewachsen, ohne die kraftvolle, liebende Präsenz einer angebundenen Frau, und haben diese Einsamkeit ihren Kindern weiter gegeben. Und so wurden wir von Königinnen zu Bettlerinnen. Unsere inneren Gewässer, in Stagnation.

Doch das Leben wäre nicht das Leben, wäre es nicht immer für Überraschungen, Erneuerung, Erblühen gut! Die Samen nämlich haben wir weiterhin gehütet. Und von Generation zu Generation weitergegeben. Sie sind da, in unseren Schößen und wissen über die fruchtbare Erde, die jetzt wieder auf sie wartet.

Die Große Mutter ruft ihre Töchter! Mit voller Kraft vibriert sie das Leben und inspiriert uns, uns neu zu öffnen um von ihr zu empfangen. Und sie gibt uns Hilfe und Unterstützung. In den Momenten der Stille, in der Natur flüstert sie zu uns. Sie selbst weist uns den Weg. Warum wohl erblühen auf allen Seiten Frauenkreise? Wir kommen in Kreisen zusammen und erkennen, hier passieren Wunder! Es ist Zeit, sagt sie, die alten Geschichten gehen zu lassen. Zeit, dass wir uns unseren inneren Gewässern zuwenden und sie heilen. Die Große Mutter selbst flüstert uns zu, wie das geht, wenn wir endlich, endlich zurück in unseren Körper finden– ein Geschenk von ihr! Und mutig anfangen zu lauschen, zu horchen und unserer eigenen Weisheit zu gehorchen.

Und so, Schritt für Schritt, Rinnsal für Rinnsal, immer gemeinsam, nehmen wir die Verantwortung und unsere Kraft zurück in unseren Schoßraum, in unseren Körper, in unser Herz und unsere Hände. Wir stellen den Fluss in uns wieder her und verbinden ihn mit dem großen Fluss des Lebens. Durch unsere geklärten Gewässer lassen wir das lebendige Leben durch uns und zurück in die Welt fließen. Wir nehmen unseren angestammten Platz ein und erblühen, während wir alles um uns herum zum Erblühen bringen. Unter dem unterstützenden und freudig wohlwollendem Blick der Männer, die sich, genau wie wir, neu erfinden, um gemeinsam in Schönheit zu gehen.

Mit viel Freude und Demut lade ich dich ein, liebe Frau, ab dem 29.4. gemeinsam mit mir und einer Gruppe von weiteren wunderbaren Frauen, dich auf eine virtuelle Reise über 4 Wochen zur Heilung deiner inneren Gewässer und zu deiner Yoni zu begeben und die Geschenke der Lebendigkeit zu bergen, die sie für dich bereit hält.

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Ich heiße Margit Brugger – Agam Agadh – Takuá Yvy Dju Mirim

Ich bin Mutter von 2 Kindern und anerkannte Kunhã Marã’eyn – Medizinfrau und Spiritual Leader der indigenen Guarani von Tatá Endy Rekowé (Brasilien), Hüterin von Frauenkreisen, Altären und Ritualen in Brasilien und Südtirol, sowie Trägerin der Friedenspfeife, der Mondpfeife und Schwitzhüttenleiterin.

Außerdem Kundalini Yoga Teacher & Teacher Trainer.

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